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Verboten, erlaubt, kompliziert: die kuriosesten Glücksspielgesetze der Welt

Pachinko-Umweg, Eintrittsgebühr für Einheimische, Spielverbot für Monegassen: kuriose Glücksspielgesetze aus aller Welt – geprüft statt erfunden.

Kurz gesagt
  • Viele kuriose Gesetze folgen einer simplen Logik: Touristen dürfen spielen, Einheimische sollen geschützt werden.
  • Japan, Monaco, Südkorea und Singapur lösen das Problem auf vier völlig verschiedene Arten.
  • Auch Deutschland hat Regeln, die im Ausland Stirnrunzeln auslösen – von der 5-Sekunden-Regel bis zum Panik-Button.

Im Internet kursieren Listen mit „verrückten Glücksspielgesetzen“, die verdächtig gut klingen. In Kentucky soll man dies nicht dürfen, in Texas das nicht. Wir haben uns die Mühe gemacht, nachzuschauen. Viele dieser Gesetze lassen sich nicht belegen – sie sind die Folklore der Glücksspielbranche.

Hier findest du deshalb nur Regeln, die tatsächlich existieren oder existiert haben. Das Ergebnis ist weniger absurd als die üblichen Listen, aber dafür interessanter. Denn hinter fast jeder kuriosen Regel steckt eine ziemlich vernünftige Frage: Wie lässt man Menschen spielen, ohne dass sie daran kaputtgehen?

Japan: Gewinne über den Umweg im Nachbarladen

Glücksspiel um Geld ist in Japan grundsätzlich verboten. Erlaubt sind Ausnahmen wie staatlich organisierte Wetten auf Pferde-, Rad-, Motorboot- und Motorradrennen sowie Lotterien. Und dann ist da noch Pachinko, eine Art senkrechter Flipper mit Kugeln, der in Tausenden lauten, hell erleuchteten Hallen gespielt wird.

Der Trick funktioniert so: Die Halle zahlt keine Gewinne in Bargeld aus. Wer gewinnt, tauscht seine Kugeln gegen Sachpreise ein, oft kleine Plaketten oder Gegenstände ohne erkennbaren Nutzen. Diese Preise kann man dann in einem kleinen Laden direkt um die Ecke verkaufen – der rechtlich ein eigenständiges Unternehmen ist. Der Laden verkauft die Preise anschließend an die Halle zurück. Der Kreislauf ist allen bekannt, und trotzdem gilt Pachinko rechtlich nicht als Glücksspiel um Geld.

2018 hat Japan zusätzlich ein Gesetz für sogenannte Integrated Resorts verabschiedet, also große Hotelkomplexe mit Casino. Für Einheimische gelten dabei strenge Auflagen: Sie zahlen 6.000 Yen Eintritt6 und dürfen höchstens dreimal innerhalb von sieben Tagen und zehnmal innerhalb von 28 Tagen kommen. Ausländische Gäste zahlen keinen Eintritt. Ausprobieren kann das noch niemand: Das erste genehmigte Resort in Osaka ist seit 2025 im Bau und soll um 2030 eröffnen.

Monaco: Wer hier wohnt, darf nicht spielen

Das Casino de Monte-Carlo ist vermutlich das berühmteste der Welt. Die Menschen, die direkt daneben wohnen, dürfen dort trotzdem nicht spielen. Monegassischen Staatsangehörigen ist der Zutritt zu den Spielsälen als Spielende untersagt.7

Die Idee stammt aus der Gründungszeit im 19. Jahrhundert: Das Casino sollte Geld von außen ins Fürstentum holen, nicht den eigenen Bürgern abnehmen. Es ist vielleicht das ehrlichste Glücksspielgesetz der Welt. Es sagt im Grunde: Wir wissen, wer hier auf Dauer gewinnt.

Südkorea: viele Casinos, eines für Einheimische

Südkorea hat eine ganze Reihe von Casinos, vor allem in Seoul, Busan und auf der Insel Jeju. Fast alle sind ausschließlich für ausländische Gäste geöffnet. Südkoreanische Staatsangehörige dürfen legal nur in einem einzigen Casino spielen: Kangwon Land, einem Resort in einer ehemaligen Bergbauregion in der Provinz Gangwon, eröffnet im Jahr 2000.8

Bemerkenswert ist der lange Arm des Gesetzes: Das südkoreanische Strafrecht gilt grundsätzlich auch für Staatsangehörige im Ausland. Wer etwa in Macau oder Las Vegas spielt, kann sich nach koreanischem Recht strafbar machen. Prominente Fälle von Sportlern und Fernsehstars, die wegen Glücksspiel im Ausland verurteilt wurden, haben das in Korea immer wieder zum Thema gemacht.

Singapur: Eintritt nur gegen Gebühr – für Einheimische

Singapur hat 2010 zwei große Casino-Resorts eröffnet, Marina Bay Sands und Resorts World Sentosa. Touristen gehen einfach hinein. Bürgerinnen, Bürger und Menschen mit dauerhaftem Aufenthaltsrecht müssen dagegen eine Eintrittsabgabe zahlen: 150 Singapur-Dollar pro Tag oder 3.000 Singapur-Dollar als Jahrespauschale (seit 2019, vorher 100 und 2.000).

Die Gebühr ist kein Eintrittsgeld im klassischen Sinn, sondern eine Bremse: Spontanbesuche sollen teuer werden. Dazu kommen Sperr- und Besuchslimit-Möglichkeiten, die Familienangehörige beantragen können. Singapur hat also ein Modell gebaut, das Casinos als Touristenattraktion will, aber nicht als Feierabendbeschäftigung für die eigene Bevölkerung.

USA: Zwei Staaten ganz ohne Glücksspiel

In Nevada hängen Spielautomaten im Flughafen, in Supermärkten und an Tankstellen. In Utah dagegen ist praktisch jede Form von Glücksspiel verboten – nicht einmal eine staatliche Lotterie gibt es. Hawaii geht denselben Weg. Zwischen diesen Extremen liegen 48 Bundesstaaten mit einem Flickenteppich an Regeln.

Besonders kurios war lange die Lage bei Sportwetten. Ein Bundesgesetz von 1992 verbot sie im Grunde überall – mit Ausnahmen für einige wenige Bundesstaaten, die zuvor schon Sportwetten angeboten hatten, allen voran Nevada. 2018 erklärte der Oberste Gerichtshof dieses Gesetz für verfassungswidrig.9 Seitdem entscheidet jeder Bundesstaat selbst, und Dutzende haben Sportwetten inzwischen erlaubt.

Russland: Glücksspiel nur in Sonderzonen

2009 verbannte Russland Casinos aus fast dem gesamten Land. Erlaubt blieben sie nur in eigens ausgewiesenen Glücksspielzonen10, ursprünglich vier: in der Region Kaliningrad, im Altai, im Fernen Osten bei Wladiwostok und an der Grenze zwischen den Regionen Krasnodar und Rostow. Moskau, zuvor eine Casinometropole, war über Nacht Sperrgebiet. Später kamen weitere Zonen hinzu, darunter Krasnaja Poljana bei Sotschi und eine Zone auf der Krim.

Man kann sich das vorstellen wie ein Gesetz, das alle Kinos des Landes in eine Handvoll abgelegener Orte verlegt. Wer spielen will, muss reisen. Genau das war die Absicht.

Großbritannien: keine Kreditkarte, Einsatzlimit nach Alter

Das Vereinigte Königreich gilt als einer der liberalsten Glücksspielmärkte Europas. Gerade deshalb gibt es dort Regeln, die anderswo fehlen. Seit dem 14. April 2020 dürfen Glücksspielanbieter in Großbritannien keine Kreditkartenzahlungen mehr annehmen. Eine Ausnahme bleibt: Lose und Rubbellose, die man im Laden zusammen mit anderen Einkäufen kauft, dürfen weiter mit Kreditkarte bezahlt werden.

2025 kam ein Einsatzlimit für Online-Slots hinzu, das nach Alter gestaffelt ist: Seit dem 9. April 2025 dürfen Erwachsene höchstens 5 Pfund pro Spielrunde setzen, seit dem 21. Mai 2025 gilt für Menschen zwischen 18 und 24 Jahren ein Limit von 2 Pfund. Die Begründung: Jüngere Erwachsene gelten als besonders gefährdet. Aus deutscher Sicht wirkt das fast großzügig, denn hier liegt das Limit grundsätzlich bei 1 €. Allerdings hat Deutschland inzwischen nachgezogen, nur mit umgekehrter Logik: Seit Juli 2026 dürfen Anbieter Spielenden ab 21 unter Auflagen bis zu 3 € erlauben, nach 90 unauffälligen Tagen bis zu 5 € – vorerst befristet bis Ende 2027.

Höchsteinsatz pro Spin an Online-Slots im VergleichGlüStV § 22a Abs. 7 und GGL-Entscheidungsrichtlinie (Stand 01.07.2026); UK Gambling Commission (seit 2025). Beträge in Landeswährung, nicht umgerechnet. Stand 2026
Daten als Tabelle
RegelHöchsteinsatz
Deutschland Grundregel1 €
Deutschland Stufe 13 €
Deutschland Stufe 25 €
Großbritannien ab 255 £
Großbritannien 18–242 £

Deutschland: kurios aus Sicht der Nachbarn

Wir müssen nicht weit reisen, um Regeln zu finden, die Touristinnen und Touristen verwundern. Der deutsche Glücksspielstaatsvertrag von 2021 ist im internationalen Vergleich ungewöhnlich detailliert:

  • Die 5-Sekunden-Regel. Ein Spiel an einem virtuellen Automaten muss im Schnitt mindestens 5 Sekunden dauern, rechnerisch sind das höchstens 120 Spiele in 10 Minuten. Turbo-Spins gibt es nicht.
  • 1 € pro Spin als Grundregel. Mehr ist nur unter Auflagen möglich (seit Juli 2026 bis 3 € ab 21 Jahren, bis 5 € nach 90 unauffälligen Tagen) – egal, wie viel jemand verdient.
  • Kein Autoplay, keine Jackpots bei virtuellen Automatenspielen.
  • Zwangspause nach einer Stunde. Nach 60 Minuten muss ein Hinweis bestätigt werden, danach geht es am Slot frühestens nach 5 Minuten weiter.
  • Das C-Wort ist tabu. Für Slot-Angebote und ihre Werbung dürfen die Wörter „Casino“ und „Casinospiele“ nicht verwendet werden.11
  • Werbung erst ab 21 Uhr. Im Rundfunk und im Internet ist Werbung für Online-Slots, Online-Poker und Online-Casinospiele täglich zwischen 6 und 21 Uhr verboten.12
  • Der Panik-Button. Ein Klick sperrt dich für 24 Stunden bei allen erlaubten Anbietern, ohne Begründung.
  • Ein Limit für alle Anbieter zusammen. Standardmäßig maximal 1.000 € Einzahlung im Monat – nicht pro Casino, sondern insgesamt, abgeglichen über die zentrale Limitdatei.
  • Nicht parallel spielen. Wer bei einem Anbieter eingeloggt spielt, kann nicht gleichzeitig bei einem anderen spielen. Nach dem Abmelden gilt eine Wartezeit von fünf Minuten, bevor es bei einem anderen Anbieter weitergeht.13

Dazu kommt eine Eigenheit, die seltener auffällt: Für private Spielende sind Glücksspielgewinne in Deutschland in der Regel steuerfrei. Steuern fallen trotzdem an – nur eben beim Anbieter, etwa die 5,3 % Virtuelle Automatensteuer, gerechnet auf den Einsatz nach Abzug der Steuer (effektiv rund 5 %).15 Sie schlägt sich in der Praxis in niedrigeren Auszahlungsquoten nieder: Laut Glücksspielbehörde zahlten legale Slots 2025 im Schnitt 88,1 % der Einsätze aus.16

Was das alles für deinen Spielalltag bedeutet, erklärt unser Ratgeber zum Glücksspielstaatsvertrag.

Historisch: als Deutschland seine Spielbanken schloss

Ein deutscher Klassiker gehört noch dazu. Nach der Reichsgründung schloss Deutschland zum Jahresende 1872 sämtliche öffentlichen Spielbanken. Baden-Baden und Bad Homburg, damals Treffpunkte der europäischen Oberschicht, verloren ihr wichtigstes Geschäft. Baden-Baden durfte erst 1933 wieder öffnen. Profitiert hat Monaco, wo ausgerechnet der Gründer der Spielbank Bad Homburg das Casino übernommen hatte. Die ganze Geschichte erzählen wir in unserer Geschichte des Glücksspiels.

Was wir bewusst weggelassen haben

Einige „Gesetze“ tauchen in fast jeder Liste auf, ohne dass sich eine belastbare Quelle findet: angebliche Verbote, Bingo länger als eine bestimmte Zeit zu spielen, Strafen für Kartenspiele an bestimmten Wochentagen in einzelnen US-Städten und Ähnliches. Manche davon mögen irgendwann in einer Gemeindeordnung gestanden haben, viele sind schlicht erfunden und werden von Seite zu Seite weiterkopiert.

Das Muster hinter dem Kuriosen

Lege die Beispiele nebeneinander, und es zeigt sich ein klares Bild. Kaum ein Staat traut dem Glücksspiel ganz. Die einen schicken Einheimische vor die Tür (Monaco, Südkorea), die anderen kassieren an der Tür (Singapur), wieder andere verlegen das Spiel an den Rand der Landkarte (Russland) oder bremsen es mit Stoppuhr und Einsatzlimit (Deutschland, Großbritannien).

Die Regeln wirken kurios, weil sie unterschiedliche Antworten auf dieselbe Erkenntnis sind: Das Haus gewinnt auf Dauer, und manche Menschen verlieren dabei mehr, als sie sich leisten können. Wer sich selbst Grenzen setzen will, braucht dafür übrigens kein Gesetz. Die Werkzeuge findest du unter Spielerschutz.

Häufige Fragen

Dürfen Einwohner von Monaco im Casino spielen?

Nein. Monegassische Staatsangehörige dürfen die Spielsäle des Casinos von Monte-Carlo nicht als Spielende betreten. Das Verbot geht auf das 19. Jahrhundert zurück und gilt bis heute.

Warum ist Pachinko in Japan legal, obwohl Glücksspiel verboten ist?

Pachinko-Hallen zahlen kein Geld aus, sondern Sachpreise. Diese Preise können in einem separaten, rechtlich unabhängigen Laden in Bargeld getauscht werden. Durch diese Trennung gilt Pachinko rechtlich nicht als Glücksspiel um Geld.

In welchen US-Bundesstaaten ist Glücksspiel komplett verboten?

Utah und Hawaii erlauben praktisch keine Form von Glücksspiel, nicht einmal eine staatliche Lotterie. Alle anderen Bundesstaaten haben zumindest eine Lotterie.

Muss man in Deutschland Glücksspielgewinne versteuern?

Für private Spielende sind Gewinne aus Glücksspiel in Deutschland in der Regel einkommensteuerfrei. Anders kann es bei Menschen aussehen, die Poker oder Ähnliches berufsmäßig betreiben. Im Einzelfall hilft eine Steuerberatung.

Warum dauert ein Online-Slot in Deutschland im Schnitt mindestens 5 Sekunden?

Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 schreibt für virtuelle Automatenspiele vor, dass ein Spiel im Durchschnitt mindestens 5 Sekunden dauert. Rechnerisch sind damit höchstens 120 Spiele in 10 Minuten möglich. Das bremst das Spieltempo und damit auch die Verluste pro Stunde.

Spielerschutz · gleichrangig, nicht im Kleingedruckten

Wenn aus Spiel Druck wird, ist Reden der erste Gewinn.

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