Daytrading und Glücksspiel: Was die Daten zeigen
Schnelle Börsengeschäfte mit Hebel sind rechtlich kein Glücksspiel – zeigen aber ähnliche Muster. Der Glücksspiel-Survey 2025 hat das erstmals für Deutschland erhoben.
- 6,5 % der 16- bis 70-Jährigen haben im Jahr vor der Befragung Daytrading betrieben, Männer mit 9,2 % deutlich häufiger als Frauen (3,6 %).
- Wer mindestens monatlich tradet, spielt meist auch Glücksspiele (63,7 %). 12,1 % dieser Gruppe erfüllen die Kriterien einer glücksspielbezogenen Störung – gut fünfmal so viel wie in der Gesamtbevölkerung.
- Die Studie zeigt Zusammenhänge, keine Ursache. Sie misst die Störung über das Glücksspiel, nicht über das Trading selbst.
Was der Survey unter Daytrading versteht
Gemeint sind Börsengeschäfte, bei denen Finanzinstrumente innerhalb eines Handelstages gekauft und wieder verkauft werden, um an kurzfristigen Kursbewegungen zu verdienen. Typisch sind ein sehr kurzer Zeithorizont, hohe Handelsfrequenz, Entscheidungen in Echtzeit und oft ein Hebel, der Gewinne und Verluste vervielfacht.1 Rechtlich ist das kein Glücksspiel. Die Autorinnen und Autoren verweisen aber auf internationale Übersichtsarbeiten, nach denen risikoreiches Trading in wesentlichen Verhaltensmerkmalen klassischem Glücksspiel ähnelt.1
Wie viele traden – und wie oft
6,5 % aller Befragten gaben an, in den letzten zwölf Monaten Daytrading betrieben zu haben Survey 2025.1
Daten als Tabelle
| Kategorie | Anteil (%) |
|---|---|
| seltener als monatlich | 2,9 |
| 1–3× im Monat | 2,3 |
| wöchentlich | 0,9 |
| täglich | 0,4 |
Daten als Tabelle
| Kategorie | Anteil (%) |
|---|---|
| Männer | 9,2 |
| Frauen | 3,6 |
| 18–25 Jahre | 8,9 |
| 26–35 Jahre | 10,7 |
| über 55 Jahre | 3,3 |
Am höchsten ist der Anteil bei den 26- bis 35-Jährigen (10,7 %), gefolgt von den 18- bis 25-Jährigen (8,9 %); bei den über 55-Jährigen sind es 3,3 %.1
Die Überschneidung mit Glücksspiel
Daten als Tabelle
| Kategorie | Anteil (%) |
|---|---|
| haben im letzten Jahr gespielt | 63,7 |
| riskantes Spielverhalten | 16,7 |
| glücksspielbezogene Störung | 12,1 |
| zum Vergleich: Störung Gesamtbevölkerung | 2,2 |
Von denen, die mindestens einmal im Monat traden, haben 63,7 % im selben Jahr auch um Geld gespielt – 33,9 % sogar mindestens wöchentlich. Am häufigsten Lotto 6aus49 (39,8 %); an Geldspielautomaten spielten 11,5 %, an Live-Sportwetten 6,9 %.1 Bei 12,1 % dieser Gruppe stellt der Survey eine glücksspielbezogene Störung nach DSM-5 fest, bei weiteren 16,7 % ein riskantes Spielverhalten.1 Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung sind es 2,2 % bzw. 5,5 % (Survey 2025).
Was die Finanzaufsicht sagt
Die Finanzaufsicht BaFin weist auf erhebliche Risiken bis zum Totalverlust bei hochspekulativen Strategien hin; im Oktober 2025 beschränkte sie laut Survey die Vermarktung und den Vertrieb sogenannter Turbo-Zertifikate.2 Für Glücksspiel gibt es Sperrsysteme wie OASIS – für Trading-Apps nicht.
Was das für dich heißt
Häufige Fragen
Ist Daytrading Glücksspiel?
Rechtlich nicht. Der Glücksspiel-Survey 2025 erhebt es aber mit, weil Fachliteratur deutliche Verhaltensparallelen zum Glücksspiel beschreibt: kurzer Zeithorizont, hohe Frequenz, Hebelwirkung.
Wie viele Deutsche betreiben Daytrading?
Laut Glücksspiel-Survey 2025 haben 6,5 % der 16- bis 70-Jährigen in den letzten zwölf Monaten Daytrading betrieben, 0,4 % täglich.
Haben Daytrader häufiger Glücksspielprobleme?
Unter den mindestens monatlich Handelnden erfüllen 12,1 % die Kriterien einer glücksspielbezogenen Störung, gegenüber 2,2 % in der Gesamtbevölkerung. Das ist ein Zusammenhang, kein Beleg für eine Ursache.