Konstante Proportion: Wenn dein Einsatz mit deinem Budget atmet
Immer derselbe Prozentsatz vom Budget: Was die Konstante-Proportion-Strategie beim Roulette bewirkt – mit Formel, Simulation und ehrlicher Bilanz.
- Du setzt jede Runde denselben Prozentsatz deines aktuellen Budgets – nach Gewinnen mehr, nach Verlusten weniger.
- Das bremst Abstürze: Bei 2,5 % pro Runde fiel das Budget in unserer Simulation nur in 3 % der Sessions unter die Hälfte, bei festen 5 € in 14 %.
- Ein Haken bleibt: Gewinn und Verlust gleichen sich nicht aus. +5 % und −5 % hintereinander ergeben −0,25 % – zusätzlich zum Hausvorteil, der unverändert bleibt.
Beim Flat Betting bleibt der Einsatz gleich, egal wie dein Abend läuft. Bei der konstanten Proportion bleibt etwas anderes gleich: der Anteil am Budget. Gewinnst du, wächst der Einsatz mit; verlierst du, schrumpft er. Das klingt nach eingebauter Vernunft – und ist es teilweise auch. Wir zeigen, wo.
Und gleich vorweg: Kein Einsatzsystem ändert den Hausvorteil. Auch dieses nicht. Es verändert, wie schnell du in Verlust- und Gewinnphasen unterwegs bist.
So funktioniert die Strategie
- Lege dein Startbudget fest, etwa 200 €.
- Wähle eine Wettart, etwa Rot.
- Wähle einen Prozentsatz, etwa 5 %.
- Vor jeder Runde berechnest du: aktuelles Budget × 5 % = Einsatz. Gerundet auf den nächsten möglichen Betrag.
Ein Beispiel mit 200 € und 5 %:
| Runde | Budget vorher | Einsatz (5 %) | Ergebnis | Budget nachher |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 200,00 € | 10,00 € | Rot – Treffer | 210,00 € |
| 2 | 210,00 € | 10,50 € | Schwarz – verloren | 199,50 € |
| 3 | 199,50 € | 9,98 € → 10 € | Schwarz – verloren | 189,50 € |
| 4 | 189,50 € | 9,48 € → 9 € | Rot – Treffer | 198,50 € |
In der Praxis rundest du auf Jetongrößen. Fällt der berechnete Einsatz unter den Mindesteinsatz des Tisches, musst du entweder den Mindesteinsatz setzen (dann steigt dein tatsächlicher Anteil) oder aufhören.
Die versteckte Bremse: warum +5 % und −5 % nicht null ergeben
Schau dir Runde 1 und 2 an. Ein Treffer, ein Verlust – und trotzdem sind 50 Cent weg. Das liegt nicht am Hausvorteil, sondern an der Prozentrechnung.
Dieser Effekt heißt Volatilitätsbremse (englisch „volatility drag"). Er kommt zum Hausvorteil obendrauf – nicht im Durchschnitt aller Sessions, aber im typischen Verlauf. Deshalb liegen bei dieser Strategie Durchschnitt und Median weit auseinander.
Die Formel für den typischen Verlauf
Für Mathe-Neugierige: Der typische (mittlere) Verlauf schrumpft pro Runde um den Faktor
e^(p × ln(1 + f) + q × ln(1 − f))
mit p = 18/37 (Trefferchance Rot), q = 19/37 und f = Einsatzanteil. Für f = 5 % ergibt das etwa −0,26 % pro Runde. Nach 200 Runden: 200 € × 0,594 ≈ 119 € typischer Endstand. Der Durchschnitt liegt dagegen bei rund 153 €, weil einige wenige Sessions sehr gut laufen.
Die Simulation: Welcher Prozentsatz macht was?
Wir haben 20.000 Abende simuliert: 200 € Startbudget, 200 Runden auf Rot, europäischer Kessel, Einsätze auf volle Euro abgerundet, Mindesteinsatz 1 €.
| Einsatzanteil | Ø Endstand | Typischer Endstand (Median) | Im Plus | ≥ 300 € | Unter 100 € |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 % | 193 € | 191 € | 21 % | 0 % | 0 % |
| 2,5 % | 177 € | 167 € | 28 % | 3 % | 3 % |
| 5 % | 154 € | 121 € | 23 % | 9 % | 38 % |
| 10 % | 118 € | 46 € | 13 % | 8 % | 72 % |
| 25 % | 29 € | 0 € | 1 % | 1 % | 98 % |
| Zum Vergleich: fest 5 € | 172 € | 170 € | 32 % | 4 % | 14 % |
Was die Tabelle zeigt:
- Kleine Anteile (1–2,5 %) sind ruhig und verlieren wenig. Mit 2,5 % fiel das Budget nur in 3 % der Sessions unter die Hälfte – bei festen 5 € (anfangs ebenfalls 2,5 %) in 14 %. Das ist der Hauptvorteil der Strategie: Sie bremst Abstürze.
- Der Preis dafür: Auch Gewinnphasen werden gebremst, und die Volatilitätsbremse drückt den typischen Endstand. Mit 2,5 % warst du seltener im Plus als mit festen 5 €.
- Ab 5 % kippt das Bild. Der typische Abend endet deutlich tiefer, auch wenn einzelne Sessions sehr gut laufen.
- 25 % ist praktisch ein langsames All-in: Drei Viertel der Sessions erreichen den Mindesteinsatz und sind danach leer.
Andere Wettarten: Ecken und Zahlen
Mit Wetten, die seltener treffen, wird die Strategie wilder. Zwei Beispiele aus derselben Simulation:
- Carré (vier Zahlen), 2,5 % pro Runde: typischer Endstand 116 €, aber in 7,7 % der Sessions mindestens verdoppelt. In 41 % der Sessions blieb weniger als die Hälfte übrig.
- Eine Zahl, 1 % pro Runde: typischer Endstand 167 €, 5,5 % der Sessions verdoppelt.
Faustregel: Je seltener die Wette trifft, desto kleiner sollte der Prozentsatz sein. Bei Zahlen sind 0,5–1 % realistisch, bei einfachen Chancen 1–2,5 %.
Was ist mit der Kelly-Formel?
Wer sich mit Geldmanagement beschäftigt, stößt schnell auf die Kelly-Formel. Sie berechnet den optimalen Anteil des Kapitals für eine Wette mit positivem Erwartungswert. Die konstante Proportion ist im Kern dasselbe Prinzip.
Der entscheidende Unterschied: Beim Roulette ist der Erwartungswert jeder Wette negativ. Die Kelly-Formel liefert dann als optimalen Einsatz null. Es gibt also keinen „richtigen" Prozentsatz, der dein Budget langfristig wachsen lässt – nur Prozentsätze, die es langsamer oder schneller schrumpfen lassen.
So setzt du die Strategie am Tisch praktisch um
Vor jeder Runde zu rechnen, ist lästig. Drei Kniffe machen es leichter:
- Stufen statt Kommastellen. Lege vorher eine Tabelle an: Budget 180–219 € → 5 € Einsatz, 140–179 € → 4 €, 100–139 € → 3 € und so weiter. So bleibst du nah an 2,5 %, ohne zu rechnen.
- Mindesteinsatz prüfen. Liegt er bei 1 €, ist bei 2,5 % ab einem Budget von 40 € Schluss mit der Proportion. Entscheide vorher, ob du dann aufhörst.
- Kontostand nur zwischen den Runden prüfen. Wer mitten in einer Serie die Regel bricht, spielt kein System mehr, sondern Bauchgefühl.
Für wen eignet sich die Strategie?
Konstante Proportion passt, wenn du
- längere Sessions spielst und starke Abstürze vermeiden willst,
- bereit bist, vor jeder Runde kurz zu rechnen,
- und akzeptierst, dass auch gute Phasen gedämpft werden.
Wer es simpler mag, bleibt bei Flat Betting. Wer lieber die Ränder sucht – seltene große Gewinne –, findet bei Paroli das passendere Werkzeug. Den Vergleich aller Systeme gibt es im Überblick zu Roulette-Strategien.
Fazit
Die konstante Proportion ist das vernünftigste der aktiven Systeme – solange der Prozentsatz klein bleibt. Sie fängt Verlustserien ab, kostet dich dafür einen Teil der Gewinnserien und wird durch die Prozentrechnung leicht ausgebremst. Am Hausvorteil ändert sie nichts: Jeder Euro, der über den Tisch geht, kostet im Schnitt 2,70 Cent.
Nachgerechnet: wie ein fester Prozentsatz das Budget formt
Wer immer einen festen Anteil des Budgets setzt, verliert nie alles auf einmal – aber das Budget schrumpft trotzdem. Geprüft 11/2026
Daten als Tabelle
| Spiele | Mittelwert | Typischer Verlauf (Median) |
|---|---|---|
| Start | 100,0 € | 100,0 € |
| 100 Spiele | 87,4 € | 77,1 € |
| 200 | 76,3 € | 59,4 € |
| 300 | 66,7 € | 45,8 € |
| 500 | 50,9 € | 27,2 € |
Häufige Fragen
Was ist die Konstante-Proportion-Strategie?
Du setzt in jeder Runde einen festen Prozentsatz deines aktuellen Budgets. Steigt das Budget, steigt der Einsatz. Sinkt es, sinkt der Einsatz. Die Wettart bleibt dieselbe.
Kann man mit konstanter Proportion beim Roulette pleitegehen?
Rein rechnerisch schrumpft das Budget nur, ohne null zu erreichen. In der Praxis setzt der Mindesteinsatz eine Grenze: Ist der Prozentsatz kleiner als der Mindesteinsatz, setzt du mehr als geplant, und das Budget kann aufgebraucht werden.
Welcher Prozentsatz ist sinnvoll?
Für einfache Chancen 1–2,5 % des Budgets. Ab 5 % sinkt der typische Endstand deutlich, ab 10 % verlieren die meisten Sessions mehr als die Hälfte des Budgets.
Ist das die Kelly-Formel?
Es ist dasselbe Prinzip – Einsatz als Anteil des Kapitals. Die Kelly-Formel empfiehlt bei negativem Erwartungswert aber einen Einsatz von null. Beim Roulette gibt es keinen „optimalen“ positiven Anteil.
Ist konstante Proportion besser als Flat Betting?
Sie ist risikoärmer bei Verlustserien, wächst aber auch langsamer aus Gewinnserien. Den Hausvorteil ändert sie nicht. Welche Variante passt, hängt davon ab, wie sehr dich Abstürze stören.