Fünf Jahre GGL: die Bilanz in Zahlen
Im Juli 2021 wurde die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder gegründet. Fünf Jahre später: mehr Verfahren, mehr gesperrte Seiten, ein umstrittener Schwarzmarkt – und zwei Termine, die vieles entscheiden.
- Die GGL hat ihre Untersagungsverfahren von 68 (2022) auf 287 (2025) mehr als vervierfacht. Ende 2025 waren 1.843 illegale Websites aus Deutschland nicht mehr erreichbar.
- Auf der Whitelist stehen 129 erlaubte Veranstalter und Vermittler mit 229 Internetseiten (September 2026).
- Wie groß der Schwarzmarkt ist, bleibt umstritten: Die GGL-Studie sieht 77 % legal, Branchenanalysen eher 35–51 %. Ende 2026 kommt der Evaluierungsbericht, im Januar 2027 das BGH-Urteil zur Rückforderung.
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) mit Sitz in Halle (Saale) wurde am 1. Juli 2021 gegründet und hat zum 1. Januar 2023 alle Aufgaben übernommen. Alle 16 Länder haben bei ihr einen Teil ihrer Glücksspielaufsicht gebündelt: Sie erteilt Erlaubnisse für Online-Slots, Online-Poker und Sportwetten, überwacht die Anbieter und geht gegen illegale Angebote vor.1 Zum fünfjährigen Bestehen hat die Behörde Bilanz gezogen. Wir haben die Zahlen mit dem Tätigkeitsbericht 2025 abgeglichen.
Der legale Markt
Auf der amtlichen Whitelist standen im September 2026 129 Veranstalter und Vermittler mit 229 Internetseiten.1 Ende 2025 waren es 135 mit 232 Seiten.2 Rund 100 Beschäftigte prüften 2025 in mehr als 600 Aufsichtsmaßnahmen, ob erlaubte Anbieter Spielerschutz, Werbe- und Angebotsregeln einhalten; zwei Erlaubnisse hat die GGL bisher widerrufen.1
Ein Kernstück der Regulierung ist das System LUGAS, das Einzahlungslimits anbieterübergreifend durchsetzt und paralleles Spielen verhindert. Ende 2025 waren dort rund 5,3 Mio. Spielende registriert.1
Der Vollzug gegen illegale Anbieter
Die auffälligste Entwicklung: Die Zahl der Untersagungsverfahren hat sich von 68 im Jahr 2022 auf 287 im Jahr 2025 mehr als vervierfacht. Seit dem Start hat die GGL rund 700 solcher Verfahren eingeleitet und bis Ende 2025 etwa 6.300 Websites auf illegale Angebote oder Werbung geprüft.1
Daten als Tabelle
| Jahr | Untersagungsverfahren |
|---|---|
| 2022 | 68 |
| 2025 | 287 |
Allein 2025 prüfte die Behörde 2.263 Internetseiten und leitete 231 neue Verfahren gegen unerlaubte Angebote und 300 gegen Werbung dafür ein.2 Ende 2025 waren 1.843 illegale Websites durch Untersagungen oder Netzsperren aus Deutschland nicht mehr erreichbar, 178 vom Zahlungsverkehr abgeschnitten.1 Seit September 2024 dürfen in Deutschland außerdem nur noch erlaubte Anbieter über Google Ads werben.1
Daten als Tabelle
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Geprüfte Internetseiten 2025 | 2.263 |
| Aus Deutschland nicht erreichbar (Ende 2025) | 1.843 |
| Neue Verfahren gegen Werbung 2025 | 300 |
| Anbieter (siehe Hinweis) | 254 |
| Neue Verfahren gegen Angebote 2025 | 231 |
| Vom Zahlungsverkehr abgeschnitten (Ende 2025) | 178 |
Die große Streitfrage: der Schwarzmarkt
Ob all das wirkt, misst sich vor allem daran, wie viel Glücksspiel noch bei illegalen Anbietern stattfindet. Hier gehen die Zahlen weit auseinander. Eine von der GGL beauftragte Befragungsstudie kommt für 2024 auf eine Kanalisierung von 77,03 % – gut drei Viertel des Online-Glücksspiels liefen demnach legal.3 Der Branchenverband der Online-Casinos (DOCV) sieht die Quote dagegen „deutlich näher bei 50 Prozent“, eine Studie des Handelsblatt Research Institute je nach Ansatz bei etwa 35–47 % (beides laut Fachpresse).
Daten als Tabelle
| Quelle | Kanalisierung |
|---|---|
| GGL / Blockchain Research Lab (Befragung, 2024) | 77,0 % |
| DOCV (Nielsen-Panel, März 2023) | 50,7 % |
| Handelsblatt Research Institute, Spanne oben | 47,0 % |
| Handelsblatt Research Institute, Spanne unten | 35,0 % |
Die Unterschiede haben vor allem methodische Gründe: Befragungen unterschätzen illegales Spiel eher, Traffic-Analysen überschätzen es eher. Und beide Seiten haben ein Interesse am Ergebnis – die Aufsicht an einer wirksamen Regulierung, die Branche an Lockerungen. Den ausführlichen Methodenvergleich findest du in Wie groß ist der Schwarzmarkt?
Was jetzt ansteht
| Termin | Was | Warum es wichtig ist |
|---|---|---|
| bis 31.12.2026 | Evaluierungsbericht der Länder zum Glücksspielstaatsvertrag (§ 32 GlüStV 2021) | Grundlage für mögliche Änderungen an Einsatzlimits, Sperrsystem und Netzsperren4 |
| 28.01.2027 | Verkündung des BGH in den Verfahren I ZR 216/25 und I ZR 78/25 | Leitentscheidung, ob und wie Spielende Verluste bei unerlaubten Anbietern zurückfordern können5 |
| ab 2027 | Neuer Erlaubniszyklus | Die GGL bereitet laut Tätigkeitsbericht einen neuen Erlaubnis-Zyklus vor und will dabei ihre Verfahren überarbeiten2 |
Dazu kommt eine Regel, die schon gilt und deren Wirkung noch niemand kennt: Seit 1. Juli 2026 dürfen Anbieter unter Bedingungen 3 € oder 5 € pro Spin zulassen. Suchthilfe-Fachstellen kritisieren das scharf, die Branche begrüßt es. Alle Details: Einsatzlimit 1, 3 oder 5 Euro.
Unsere Einordnung
Häufige Fragen
Was macht die GGL?
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder erteilt bundesweite Erlaubnisse für virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und Sportwetten, beaufsichtigt die Anbieter und geht gegen illegales Glücksspiel und Werbung dafür vor.
Wie viele legale Online-Glücksspielanbieter gibt es?
Im September 2026 standen 129 Veranstalter und Vermittler mit 229 Internetseiten auf der Whitelist der GGL – über alle Glücksspielarten in ihrer Zuständigkeit.
Wann wird der Glücksspielstaatsvertrag evaluiert?
Die Länder müssen bis zum 31.12.2026 einen zusammenfassenden Evaluierungsbericht vorlegen (§ 32 GlüStV 2021).
Quellen & weiterführend
- GGL: Fünf Jahre GGL – Fachbehörde hat sich etabliert (Pressemitteilung, 22.09.2026)
- GGL: Tätigkeitsbericht 2025 (PDF, veröffentlicht 03.07.2026)
- GGL: Schwarzmarkt-Studie bestätigt … (Pressemitteilung, 16.03.2026)
- § 32 GlüStV 2021: Evaluierung
- BGH: Pressemitteilung Nr. 086/2026 (Verhandlungstermin I ZR 216/25)