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Recht · Neue Regel

Einsatzlimit 1, 3 oder 5 Euro: was die neue Regel bedeutet

Seit dem 1. Juli 2026 dürfen legale Online-Slots unter Bedingungen mehr als einen Euro pro Spiel annehmen. Wir zeigen die Regel im Wortlaut, die Kritik daran und was sie in Euro pro Stunde heißt.

Kurz gesagt
  • Gesetzlich gilt bei virtuellen Automatenspielen 1 € pro Spiel (§ 22a Abs. 7 GlüStV).2 Die GGL nutzt seit 01.07.2026 die Anpassungsklausel: bis 3 € ab 21 Jahren, bis 5 € nach 90 Tagen ohne auffälliges Spielverhalten und unter besonderem Monitoring.1
  • Die Abweichung gilt laut GGL-Entscheidungsrichtlinie „bis längstens zum 31. Dezember 2027“.1
  • Bei 5 Sekunden pro Spiel sind das bis zu 720 Spiele pro Stunde. Bei 88,1 % Auszahlungsquote kostet eine Stunde im Mittel rund 86 € (1 €), 257 € (3 €) oder 428 € (5 €).

Der Höchsteinsatz bei Online-Slots war seit 2021 eine der bekanntesten Regeln des deutschen Glücksspielrechts: ein Euro pro Dreh, nicht mehr. Seit Juli 2026 ist das nicht mehr ausnahmslos so. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) hat eine Entscheidungsrichtlinie veröffentlicht, nach der Anbieter mit deutscher Erlaubnis unter Bedingungen 3 oder 5 Euro pro Spiel zulassen dürfen. Was genau gilt, steht in einem zweiseitigen Dokument, das wir unten verlinken.

Was das Gesetz sagt

Die Regel steht in § 22a Abs. 7 des Glücksspielstaatsvertrags 2021.2 Satz 1 lautet: Der Einsatz darf einen Euro je Spiel nicht übersteigen. Satz 2 erlaubt der zuständigen Behörde, den Höchsteinsatz „zur Erreichung der Ziele des § 1“ an geänderte Verhältnisse anzupassen. Auf diese Klausel stützt sich die GGL.

Unverändert bleiben die übrigen Spielregeln aus § 22a: Ein Spiel muss im Durchschnitt mindestens fünf Sekunden dauern, Autoplay ist verboten, Jackpots ebenso, und es darf immer nur ein Spiel gleichzeitig laufen.

Die neue Regel im Detail

Die Entscheidungsrichtlinie der GGL (Stand 01.07.2026) nennt als Begründung vor allem die allgemeine Preissteigerung. Sie sieht zwei Stufen vor:1 Stand 07/2026

StufeHöchsteinsatzVoraussetzungen laut Richtlinie
Grundregel1 € pro Spielgilt für alle, die die Stufen nicht durchlaufen, und für alle unter 21 Jahren
Stufe 1über 1 € bis 3 €Spielerin oder Spieler ist mindestens 21 Jahre alt
Stufe 2über 3 € bis 5 €zusätzlich: 90-tägiger Qualifikationszeitraum beim Anbieter ohne suchtauffälliges Spielverhalten im Monitoring nach § 6i GlüStV; spezielles Limit-Monitoring durch den Anbieter mit vierteljährlicher Meldung an die Aufsicht; Einwilligung in die dafür nötige Datenverarbeitung

Befristung: Laut Richtlinie kann ein abweichender Höchstbetrag „bis längstens zum 31. Dezember 2027“ festgelegt werden.1 Ob die Regel danach verlängert, geändert oder zurückgenommen wird, ist offen. Parallel läuft die gesetzliche Evaluierung des Staatsvertrags, deren zusammenfassender Bericht nach § 32 GlüStV bis zum 31.12.2026 vorgelegt werden soll.2

Wichtig für dich: Die höhere Stufe ist kein Automatismus. Der Anbieter muss sie technisch und organisatorisch umsetzen, und du musst die Voraussetzungen erfüllen. Wer das Einsatzlimit nicht erhöht, spielt weiter mit maximal 1 € pro Spiel.

Was das pro Stunde bedeutet

Die Rechnung ist einfach. Eine Stunde hat 3.600 Sekunden, ein Spiel dauert mindestens fünf Sekunden im Schnitt. Das sind höchstens 720 Spiele pro Stunde. Wie viel davon im Mittel verloren geht, bestimmt die Auszahlungsquote. Für legale virtuelle Automatenspiele lag sie 2025 laut GGL-Tätigkeitsbericht bei 88,1 %, der Hausvorteil also bei 11,9 %.3

Einsatz pro SpielMax. Umsatz pro StundeErwarteter Verlust pro Stunde (88,1 % RTP)Erwarteter Verlust bei 2 Stunden täglich, 30 Tage
1 €720 €≈ 86 €≈ 5.141 €
3 €2.160 €≈ 257 €≈ 15.422 €
5 €3.600 €≈ 428 €≈ 25.704 €
Erwarteter Verlust pro Stunde nach EinsatzstufeEigene Rechnung: 720 Spiele/Stunde × Einsatz × 11,9 % Hausvorteil (RTP 88,1 % laut GGL-Tätigkeitsbericht 2025)
Daten als Tabelle
KategorieErwarteter Verlust pro Stunde (€)
1 € pro Spiel86
3 € pro Spiel257
5 € pro Spiel428

Das sind Mittelwerte bei Dauerspiel mit Maximaltempo. Einzelne Sitzungen streuen stark, nach oben wie nach unten. Eine Grenze setzt außerdem das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von grundsätzlich 1.000 € im Monat (§ 6c GlüStV), das in der Erlaubnis aber im Einzelfall abweichend geregelt sein kann. Die Landesfachstellen in Bayern und NRW sprechen von Erhöhungen auf bis zu 10.000 € im Monat.

Rechner: Was kostet eine Session im Mittel?
Gesetzliches Minimum im Durchschnitt: 5 Sekunden
88,1 % = Durchschnitt legaler Online-Slots 2025 laut GGL
Erwarteter Verlust
≈ 86 €
Spiele720
Umsatz (Summe aller Einsätze)720 €
Hausvorteil11,9 %

Mittelwert über sehr viele Spiele. Eine einzelne Session kann deutlich besser oder schlechter ausgehen.

Die Kritik der Suchthilfe

Die Fachstellen für Glücksspielsucht haben die Anhebung deutlich kritisiert. Ihre Argumente im Überblick:

  • Landesfachstelle Glücksspielsucht NRW: Die Erhöhung widerspreche den Zielen des § 1 GlüStV. Sie bedeute eine Steigerung des möglichen Einsatzes um bis zu 500 %, mit bis zu 3.600 € Umsatz pro Stunde. Kritisiert wird auch die Kommunikation allein über FAQ und Richtlinie, während Anbieter bereits mit „bis zu 5 € pro Spin“ werben.4
  • Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern (LSG): Virtuelle Automatenspiele gehörten zu den besonders suchtgefährdenden Angeboten. In den bayerischen Fachstellen sei der Anteil der Klientinnen und Klienten mit dieser Hauptspielform von 6 % (2018) auf 20,5 % (2024) gestiegen. Die LSG verweist auf die Gesundheitsministerkonferenz vom Juni 2026, die Schutzlücken und Vollzugsdefizite benannt hatte.5
  • Thüringer Fachstelle GlücksSpielSucht: Die Inflationsdaten des Statistischen Bundesamts rechtfertigten eine Anpassung um 26–30 %, nicht um 300–500 %. Die Altersgrenze von 21 Jahren sei willkürlich, weil die höchste Belastung bei 18- bis 25-Jährigen liege. Und das algorithmische Früherkennungssystem der Anbieter sei für Außenstehende eine Blackbox.6

Die Zahlen der Glücksspielforschung stützen die Sorge um diese Spielform: Laut Glücksspiel-Survey 2025 spielen nur 0,7 % der Bevölkerung virtuelle Automatenspiele, aber 32,5 % von ihnen erfüllen die Kriterien einer glücksspielbezogenen Störung, der höchste Wert aller Spielformen.7

Die Befürworter

Aus der Branche kam Zustimmung. Laut Fachpresse begrüßte der Anbieter Entain, dessen Regulierungsmanager zugleich Vizepräsident des Deutschen Online Casinoverbands (DOCV) ist, die Anpassung als maßvollen Schritt. Er verband das mit der Hoffnung, dass mehr Spielende vom Schwarzmarkt in den regulierten Markt wechseln.

Dahinter steht das Kanalisierungsargument: Ein zu enges legales Angebot treibe Spielende zu Anbietern ohne deutsche Erlaubnis, wo es gar keinen Spielerschutz gibt. Wie groß dieser Schwarzmarkt tatsächlich ist, ist umstritten. Die Schätzungen liegen weit auseinander, je nach Methode und Auftraggeber.

Unsere Einordnung

Beide Seiten haben ein reales Anliegen. Belegbar ist aber vor allem eines: Ein höheres Limit erhöht die mögliche Verlustgeschwindigkeit linear. Bei 5 € ist sie fünfmal so hoch wie bei 1 €. Ob die Anhebung tatsächlich Spielende aus dem Schwarzmarkt holt, lässt sich frühestens mit den Marktdaten ab dem dritten Quartal 2026 prüfen. Die GGL veröffentlicht die Spieleinsätze quartalsweise. Wir werden die Entwicklung auf unserer Datenseite nachhalten.

Häufige Fragen

Wie hoch ist der Höchsteinsatz bei Online-Slots in Deutschland?

Grundsätzlich 1 € pro Spiel (§ 22a Abs. 7 GlüStV 2021). Seit 01.07.2026 können legale Anbieter nach einer GGL-Richtlinie bis zu 3 € (ab 21 Jahren) und bis zu 5 € (zusätzlich nach 90 Tagen unauffälligem Spielverhalten und unter Monitoring) zulassen.

Gilt das 5-€-Limit für alle?

Nein. Unter 21 Jahren bleibt es bei 1 €. Für 5 € braucht es zusätzlich einen 90-tägigen Qualifikationszeitraum beim jeweiligen Anbieter ohne auffälliges Spielverhalten sowie ein spezielles Monitoring durch den Anbieter.

Wie lange gilt die Erhöhung?

Laut GGL-Entscheidungsrichtlinie (Stand 01.07.2026) bis längstens zum 31. Dezember 2027. Was danach gilt, ist offen.

Wie viel kann ich pro Stunde mit 5 € Einsatz verlieren?

Bei 720 Spielen pro Stunde liegt der Umsatz bei bis zu 3.600 €. Bei der durchschnittlichen Auszahlungsquote von 88,1 % beträgt der erwartete Verlust rund 428 € pro Stunde. Im Einzelfall kann es deutlich mehr oder weniger sein.

Gilt die Regel auch bei Anbietern ohne deutsche Erlaubnis?

Anbieter ohne deutsche Erlaubnis halten sich an keine deutschen Regeln, weder an Einsatz- noch an Einzahlungslimits. Dort gibt es auch keine Anbindung an OASIS. Ob ein Anbieter erlaubt ist, zeigt die amtliche Whitelist der GGL.

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