Jugendliche und Glücksspiel: was Eltern wissen sollten
Glücksspiel um Geld ist für Minderjährige verboten. Trotzdem kommen Jugendliche damit in Berührung – über Rubbellose, Kartenspiele, Sportwetten oder glücksspielähnliche Elemente in Games. Was die Daten zeigen und wie du gut reagierst.
- Die Teilnahme von Minderjährigen an öffentlichem Glücksspiel ist nach § 4 Abs. 3 GlüStV unzulässig; Anbieter müssen sie ausschließen.
- Im Glücksspiel-Survey 2025 gaben 16- und 17-Jährige trotzdem an, gespielt zu haben – am häufigsten Rubbellose (4,6 %), Blackjack (3,2 %) und Poker (2,7 %). Die Stichprobe ist mit 237 Befragten klein.
- Junge Erwachsene von 18 bis 25 sind am stärksten betroffen: 4,6 % erfüllen die Kriterien einer Glücksspielstörung – doppelt so viele wie im Bevölkerungsschnitt.
Was das Gesetz sagt
Der Glücksspielstaatsvertrag ist eindeutig: Die Teilnahme von Minderjährigen an öffentlichen Glücksspielen ist unzulässig, und Veranstalter wie Vermittler müssen sicherstellen, dass Minderjährige ausgeschlossen sind.1 Eine Ausnahme gibt es nur für Verlosungen auf Volksfesten und Jahrmärkten, bei denen ausschließlich Waren von geringem Wert zu gewinnen sind.1 Legale Online-Anbieter müssen ein Spielkonto mit Namen, Geburtsdatum und Wohnsitz anlegen und die Angaben überprüfen (§ 6a GlüStV).9
Die Bevölkerung steht klar dahinter: 91,9 % finden, dass Glücksspiel um Geld erst ab 18 erlaubt sein sollte.2
Spielen Jugendliche trotzdem?
Ja, ein kleiner Teil. Im Glücksspiel-Survey 2025 wurden auch 237 Jugendliche zwischen 16 und 17 Jahren befragt.3 Survey 2025
Daten als Tabelle
| Rubbellose | 4,6 % |
| Blackjack | 3,2 % |
| Poker | 2,7 % |
| Sportwetten (feste Quoten) | 1,0 % |
| Sportwetten live | 1,0 % |
| Roulette | 0,8 % |
| TOTO | 0,8 % |
| Geldspielautomaten | 0,7 % |
| Online-Automatenspiele | 0,4 % |
Auffällig: Blackjack und Poker spielen 16- und 17-Jährige laut Survey häufiger als der Durchschnitt aller Befragten (0,9 % bzw. 1,5 %).3 Ob dabei im Freundeskreis um Geld gespielt wurde oder bei Anbietern, unterscheidet die Tabelle nicht. Wegen der kleinen Stichprobe sind die Werte nur grobe Anhaltspunkte.
Ein problematisches Spielverhalten fand der Survey bei 1,2 % der 16- und 17-Jährigen (95 %-Konfidenzintervall 0,4–3,7 %). Für diese Altersgruppe wurde ein eigenes, an Jugendliche angepasstes Messinstrument verwendet.4
Mit 18 wird es nicht besser – im Gegenteil
Am stärksten betroffen sind junge Erwachsene: Unter den 18- bis 25-Jährigen erfüllen 4,6 % die Kriterien einer Glücksspielstörung – etwa doppelt so viele wie im Bevölkerungsschnitt von 2,2 %.5 Junge Spielende neigen laut Survey auch stärker zu typischen Denkfehlern, etwa der Illusion, das Ergebnis kontrollieren zu können.6
Daten als Tabelle
| 2021 | 3,7 % |
| 2023 | 4,9 % |
| 2025 | 4,6 % |
Glücksspielähnliches in Games
Viele Jugendliche begegnen Zufallsmechanismen zuerst in Videospielen – etwa in kostenpflichtigen Überraschungspaketen („Lootboxen“). Rechtlich gelten sie in Deutschland nicht automatisch als Glücksspiel. Das Jugendschutzgesetz verlangt aber, dass bei der Alterseinstufung von Spielen Risiken „durch Kauffunktionen“ und „durch glücksspielähnliche Mechanismen“ berücksichtigt werden.7 Ein Blick auf die Alterskennzeichnung und die Hinweise zu In-Game-Käufen lohnt sich deshalb.
Tipps für Eltern und Lehrkräfte
- Ins Gespräch kommen, nicht verhören: Frag interessiert nach Spielen, Wetten im Freundeskreis oder Werbung, die dein Kind sieht.
- Mathe statt Moral: Rechnet zusammen nach, was ein Spiel kostet – zum Beispiel mit dem Wahrscheinlichkeits-Quiz oder dem Slot-Simulator. Das überzeugt oft mehr als ein Verbot.
- Zahlungswege im Blick: Guthabenkarten, In-App-Käufe und Konten mit Kartenzugang können Wege zu Glücksspiel sein. Kinderschutz-Einstellungen am Smartphone helfen.
- Warnzeichen ernst nehmen: plötzlicher Geldbedarf, Heimlichkeit, Leistungsabfall, Stimmungsschwankungen nach Sportereignissen. Woran man ein Problem erkennt: Anzeichen von Spielsucht.
- Vorbild sein: Wie Erwachsene über Lotto, Wetten und „Glück“ reden, prägt.
Häufige Fragen
Ab wie vielen Jahren darf man in Deutschland um Geld spielen?
Öffentliches Glücksspiel ist erst ab 18 erlaubt. Die Teilnahme Minderjähriger ist nach § 4 Abs. 3 GlüStV unzulässig; Anbieter müssen sie ausschließen.
Wie viele Jugendliche spielen um Geld?
Im Glücksspiel-Survey 2025 gaben 16- und 17-Jährige am häufigsten Rubbellose (4,6 %), Blackjack (3,2 %) und Poker (2,7 %) an. Die Stichprobe ist mit 237 Befragten klein; die Werte sind grobe Anhaltspunkte.
Sind Lootboxen Glücksspiel?
Rechtlich in Deutschland nicht automatisch. Das Jugendschutzgesetz verlangt aber, glücksspielähnliche Mechanismen und Kauffunktionen bei der Alterseinstufung von Spielen zu berücksichtigen (§ 10b JuSchG).
Was kann ich als Elternteil tun, wenn mein Kind spielt?
Ruhig ins Gespräch gehen, Zahlungswege prüfen, gemeinsam die Kosten nachrechnen und Beratung nutzen. Die Telefonberatung 0800 1 37 27 00 ist kostenlos und berät auch Eltern.
Quellen & weiterführend
- § 4 GlüStV 2021: Allgemeine Bestimmungen (Abs. 3 Jugendschutz)
- Buth, Meyer, Rosenkranz, Kalke (ISD Hamburg/Universität Bremen): Glücksspiel-Survey 2025 (PDF)
- Buth, Meyer, Rosenkranz, Kalke (ISD Hamburg/Universität Bremen): Glücksspiel-Survey 2025 (PDF)
- Buth, Meyer, Rosenkranz, Kalke (ISD Hamburg/Universität Bremen): Glücksspiel-Survey 2025 (PDF)
- Buth, Meyer, Rosenkranz, Kalke (ISD Hamburg/Universität Bremen): Glücksspiel-Survey 2025 (PDF)
- Buth, Meyer, Rosenkranz, Kalke (ISD Hamburg/Universität Bremen): Glücksspiel-Survey 2025 (PDF)
- § 10b Jugendschutzgesetz: Entwicklungsbeeinträchtigende Medien
- BIÖG: check-dein-spiel.de – Beratung für Betroffene und Angehörige
- § 6a GlüStV 2021: Spielkonto beim Anbieter