Rückfall und Durchhalten: Wie du wieder Tritt fasst
Wer aufhört zu spielen, erlebt oft Momente, in denen es schwer wird – manchmal auch einen Rückfall. Das gehört für viele zum Weg dazu. Wichtig ist, was danach passiert.
- Ein Rückfall ist laut Fachinformation der BIÖG ein Warnsignal, dass der eigene Plan noch verbessert werden muss – kein persönliches Versagen.
- Am größten ist die Gefahr in den ersten Monaten nach dem Spielstopp. Risikosituationen kennen und den Zugang zu Geld begrenzen, hilft am meisten.
- Du musst das nicht allein schaffen: Beratung, Selbsthilfegruppen und die OASIS-Sperre geben Halt.
Ein Rückfall ist kein Neustart bei null
Die Fachinformation der BIÖG auf check-dein-spiel.de rät, einen Rückfall als Warnsignal zu betrachten: als Hinweis, dass der Plan zur Kontrolle des Spielverhaltens noch verbessert werden muss.1 Ihn als persönliches Versagen zu werten, führe dagegen oft dazu, ganz aufzugeben. Gleichzeitig sollte man ihn nicht kleinreden – wer eine Glücksspielproblematik hatte, bleibt über lange Zeit verletzlich.1
Alles, was du bis zum Rückfall geschafft hast – spielfreie Tage, geordnete Finanzen, ehrliche Gespräche – bleibt geschafft.
Risikosituationen erkennen
Besonders groß ist die Rückfallgefahr in den ersten Monaten nach dem Spielstopp.1 Hilfreich ist, die eigenen Auslöser zu kennen. Manche sind offensichtlich, etwa Werbung, Sportereignisse oder Zahltag. Viele sind weniger sichtbar: Gedanken und Gefühle, zum Beispiel der Wunsch, Alltagsstress loszuwerden.1
- Schreib auf, in welchen Situationen du früher gespielt hast – Zeit, Ort, Stimmung, Geldlage.
- Überleg dir für jede Situation vorher, was du stattdessen tust und wen du anrufst.
- Rechne dir in ruhigen Momenten vor, was Spielen kostet – etwa mit dem Rechner „Was hätte ich gespart?“.
Schutzmauern, die wirklich halten
- Zugang zu Geld begrenzen: Laut BIÖG die „wohl effektivste Methode“: nur nötiges Bargeld bei dir tragen, Karten abgeben oder sperren, Dispo und Kreditkarten kündigen, eine Vertrauensperson in Geldfragen einbinden, Freunde bitten, dir nichts zu leihen.1
- Sperre nutzen oder verlängern: Eine OASIS-Selbstsperre gilt bei allen legalen Anbietern, mindestens drei Monate, im Regelfall ein Jahr.2 Sie endet nicht von selbst, sondern nur auf schriftlichen Antrag.3 Wer gesperrt bleibt, schützt sich auch in schwachen Momenten. Ablauf: OASIS-Assistent.
- Technische Sperren: Sperrsoftware für Glücksspielseiten auf Handy und Computer installieren, Glücksspiel-Apps löschen.
- Struktur: Die frei gewordene Zeit bewusst füllen – Sport, Treffen, Hobbys, feste Tagesabläufe.
Daten als Tabelle
| Ende 2023 | 245.130 |
| Ende 2024 | 303.855 |
Die Zahl der Sperreinträge wächst: Ende 2024 waren es 303.855, fast alle davon Selbstsperren.4 Du bist mit diesem Schritt also bei Weitem nicht allein.
Unterstützung holen
- Beratung: Suchtberatungsstellen begleiten auch nach einem Rückfall – kostenlos und vertraulich. Eine Stelle in deiner Nähe findest du im Hilfe-Finder. Online gibt es auf check-dein-spiel.de kostenlose, anonyme Beratung sowie die Programme „Check Out“ für Spielende und „Time Out“ für Angehörige.5
- Selbsthilfe: Die Anonymen Spieler (GA) treffen sich in Präsenz- und Online-Meetings. Ihre Helpline: 01805 10 40 11 (14 Cent pro Minute aus dem Festnetz, Mobilfunk kann abweichen).6
- Angehörige: Wer zu dir hält, braucht manchmal selbst Unterstützung. Hinweise dazu: Angehörige helfen.
Häufige Fragen
Ist ein Rückfall ein Zeichen, dass ich es nicht schaffe?
Nein. Fachstellen raten, einen Rückfall als Warnsignal zu sehen, dass der eigene Plan noch verbessert werden muss – nicht als Versagen. Wichtig ist, ihn ernst zu nehmen und Unterstützung zu holen.
Wann ist die Rückfallgefahr am größten?
Laut BIÖG-Fachinformation besonders in den ersten Monaten nach dem Spielstopp. Risikosituationen zu kennen und den Zugang zu Geld zu begrenzen, hilft am meisten.
Kann ich meine OASIS-Sperre verlängern?
Eine Sperre endet nicht automatisch, sondern nur auf schriftlichen Antrag. Solange du keinen Antrag auf Aufhebung stellst, bleibt sie bestehen. Eine neue Selbstsperre kannst du jederzeit beantragen.
Gibt es Selbsthilfegruppen für Spielsüchtige?
Ja, zum Beispiel die Anonymen Spieler (GA) mit Präsenz- und Online-Meetings (anonyme-spieler.org, Helpline 01805 10 40 11). Viele Suchtberatungsstellen vermitteln zusätzlich Gruppen vor Ort.
Quellen & weiterführend
- BIÖG/check-dein-spiel.de: Wissenswertes (PDF) – Entschluss halten, Risikosituationen, Zugang zu Geld
- § 8a GlüStV 2021: Eintragung und Dauer der Sperre
- § 8b GlüStV 2021: Beendigung der Sperre
- Meyer, Hayer: Glücksspiel – Zahlen und Fakten. DHS Jahrbuch Sucht 2026, Kap. 2.5 (PDF)
- BIÖG: check-dein-spiel.de – Online-Beratung und Programme „Check Out“ / „Time Out“
- Anonyme Spieler (GA) Deutschland